Das montenegrinische Kloster Ostrog

Das Kloster Ostrog ist eines der wichtigsten Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche Es wurde im 17. Jahrhundert vom Metropolit  Vasilije Jovanovic, welcher für sein Engagement für seine montenegrinischen Landsleute hoch geschätz wurde, erbaut.

 

Das Kloster befindet sich in montenegrinischen Gebirge, einige Kilometer von der Stadt Danilovgrad entfernt. Um den religiösen Ort, gegen die damals vorherrschenden Osmanen zu schützen, entschied sich der Metropolit Vasilije das Kloster in den Bergen im Felsen zu bauen. Deshalb ähnelt das Innere der Kirche einer Höhle. Der Eingang ist sehr niedrig und der Ausblick von diesem Punkt aus auf das Gebirge gigantisch.

 

 

 

Die Auffahrt zum Kloster ist ein Erlebniss für sich. Die Strassen sind eng, kurvenreich und kaum zwei Autos kommen aneinander vorbei. In früheren Zeiten war es üblich diesen Weg Barfuss zu gehen. Es heisst, dass Sündiger den Weg ohne zu stolpern nicht bewältigen können. Heute trifft man nur noch selten Füssgänger an, die diesen Weg zu Fuss zurück legen. Etwa einen Kilometer unterhalb des Klosters wurde ein Parkplatz erbaut, so dass man nur noch eine sehr kurze Strecke zu Fuss zurücklegen muss. Kranke und Schwangere können bis zum Kloster fahren und unmittelbar vor dem Eingangstor parkieren. 

Diesem Kraftort werden heilende Kräfte nachgesagt. Kranke werden wieder gesund, Paare mit unerfüllten Kinderwunsch werden schwanger... Aus diesem Grund pilgern jedes Jahr unzähligen Gläubige der serbisch-orthodoxen Kirche, aber auch Anhänger anderer Religionen (Muslimen, Katholiken etc.)  zu diesem Kloster.

Hier befinden sich die Gebeine vom Heiligen Vasilije. Nach seinem Tod erschien er dem damaligen Bischof im Traum und bat ihn seinen Körper auszugaraben. Als Wunder gilt, dass sieben Jahre nach seinem Tod, als man seinen Köper ausgegraben hatte, dieser unversehrt war. Der Verwesungsprozess hatte nicht statt gefunden und dies ist bis heute noch so. Sein Leichnahm liegt zugedeckt in der Kirche und kann von den Besuchern  besichtigt werden. Der Anblick ist eindrücklich, insbesondere, wenn man bedenkt, dass er 1671 gestorben ist. 

Üblicherweise übernachtet man auf dem Klosterareal und besucht am kommenden Morgen um 6 Uhr die Messe. Die Atmosphäre ist beeindruckend. Obwohl es Schlafräume im Kloster gibt, übernachten sehr viele Menschen draussen im Hof unter freiem Himmel. 

Eine Horde von Menschen liegt am Boden. Ich höre wie sie sich  leise unterhalten. Umso später es wird, umso ruhiger wird es, bis alle schlafen. Man hört nur noch das Zirpen der Grillen und teilweise das Geheule der Wölfe. In dieser beschützenden Atmosphäre hört sich das friedlich an. Ich bin Zuschauer und Zuhörer einer wunderschönen Naturlandschaft und ich fühle mich geborgen und sicher. Obwohl es Sommer ist und es tagsüber  fast 40 Grad ist,  ist die Nacht unter freiem Himmel kalt. Zum Glück hat es unzählige Decken, die uns Besuchern zur Verfügung stehen. So wickle ich mich in, die ein wenig "muffelige" Decke ein  und schlafe friedlich ein.

Die Morgensonne weckt mich und langsam werden auch alle anderen wach. Ruhig und behutsam räumen alle ihre Decken und Matten auf und um 6 Uhr beginnt die Messe. Über Lautsprecher hört man den Sprechgesang des Pfarers.

Ich stehe draussen, unter freiem Himmel, schaue in die Ferne und höre zu. Um mich herum sind viele Menschen, die wohl alle mit einem Wunsch hierhergekommen sind, dass der Heilige Vasilije sie erhören wird. Auch ich habe einen Wunsch und zugleich bin ich dankbar für alles was ich habe, insbesondere für die wunderbaren Menschen, die mich umgeben. Nach etwa einer Stunde ist die Messe zu Ende und wir alle begeben uns langsam zum Ausgang. Es war ein schönes, befriedigendes und erfüllendes Erlebnis. Ich schreite zum Auto voller Glücksgefühle. Jedem der einen Ort der Ruhe sucht, kann ich den Besuch dieses Klosters empfehlen. 

 

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