Cilim- ein altes serbisches Handwerk

 

Meine Grossmutter ist schon über 80 Jahre alt und damit sie sicher gehen kann, dass jedes Familienmitglied nach ihrem Tod seine Erbstücke erhält, hat sie mir heute die Cilims (handgewobene Wollenteppiche) gezeigt, die sie als junge Frau für meine Mutter als Mitgift gewoben hat.

 

Vier Stück sind es. Da meine Mutter keine Geschwister hat sind die direkte Erben dieses Handwerkes mein Bruder und ich. Von dieser farbenfrohen Handwerkspracht bin ich begeistert und möchte mehr darüber wissen. Ich frage sie  wie es früher war und wie diese wunderschönen Teppiche zustande kamen.

 

 

Und sie erzählt...

 

Die Winter waren lang, kalt und dunkel. Die Arbeiten auf dem Land waren erledigt und so traffen sich die Frauen um gemeinsam Cilims zu weben. Die Töchter, die langsam zu jungen, heiratsfähigen Frauen heranwuchsen mussten ausgestattet werden mit Mitgiftgütern. Und eines davon war der Cilim. So versammelten sich die Mütter im Winter und woben. Gegenseitig zeigten sie sich die verschiedenen Muster und Webtechniken. Man lernte immer von den Besten. Und so vergingen die Winter in denen die Mütter Cilims  und Kissenüberzuge woben und Tischtücher bestickten. Die Cilims wurden  als Bettüberwurf gebraucht. Auf dem Boden (mehrheitlich Erdboden) waren sie  nicht vorzufinden. Es war zu schaden den Boden, auf dem man mit schmutzigen Schuhen lief, mit diesen Prachtstücken zu bedecken. Die Bedeckung der Böden mit Teppichen kam erst viel später mit dem Bau neuer, moderner Häuser mit Betonböden.

Das Wort Cilim (tschilim) stammt vom türkischen Wort Kilim ab und ist ein Wollteppich, der mit verschiedenen Techniken hergestellt wurde. Da die Webstühle meist nicht sehr breit waren, sind viele Cilim`s zweiteilig d.h. sie wurden aus zwei Stücken zusammengenäht. Alte, einteilige und gut erhaltene Cilim`s sind selten zu finden und deshalb auch sehr kostbar.

Mir gefallen die farbenfrohen Teppiche. Doch vielmehr fanszinieren mich die Geschichten, die sie erzählen.

Einige dieser Prachtstücke findet ihr hier;